Ich boykottiere die Fußball-WM 2026

Ich finde, es reicht!

Seit mehr als vier Jahren erschüt­tert der rus­sis­che Angriff­skrieg gegen die Ukraine Europa und die Welt. Als Rus­s­land die Ukraine über­fiel, war der Auf­schrei groß. Zu Recht wur­den Sank­tio­nen, poli­tis­che Kon­se­quen­zen und inter­na­tionale Iso­la­tion gefordert. Auch der Sport reagierte: Rus­sis­che Mannschaften wur­den von vie­len Wet­tbe­wer­ben aus­geschlossen, und rus­sis­che Sport­lerin­nen und Sportler dür­fen bei Olymp­is­chen Spie­len nicht unter ihrer Nation­alflagge antreten.

Diese Maß­nah­men wur­den mit der Ver­ant­wor­tung des Sports begrün­det, nicht ein­fach zur Tage­sor­d­nung überzuge­hen, wenn grundle­gende Regeln des Völk­er­rechts ver­let­zt wer­den. Viele Ver­bände beton­ten ihre Werte und ihre gesellschaftliche Ver­ant­wor­tung.

Umso unver­ständlich­er erscheint mir das Ver­hal­ten der FIFA. Ein­er­seits erk­lärt sie immer wieder, unpoli­tisch zu sein. Ander­er­seits ver­lei­ht FIFA-Präsi­dent Gian­ni Infan­ti­no dem US-Präsi­den­ten Don­ald Trump einen FIFA-„Friedenspreis“. Das wirkt auf mich wie ein poli­tis­ches Sig­nal – und ste­ht im Wider­spruch zur ange­blichen Neu­tral­ität der FIFA.

Gle­ichzeit­ig dür­fen die USA gemein­sam mit Mexiko und Kana­da die Fußball-Welt­meis­ter­schaft 2026 aus­richt­en. Dabei führen die Vere­inigten Staat­en eine Poli­tik, die vie­len Men­schen die Ein­reise erschw­ert oder ganz ver­wehrt. Zahlre­iche Fußball­fans aus ver­schiede­nen Län­dern müssen befürcht­en, kein Visum zu erhal­ten oder an den Gren­zen abgewiesen zu wer­den.

Eine Fußball-Welt­meis­ter­schaft sollte ein Fest der Begeg­nung sein. Men­schen aus allen Kon­ti­nen­ten soll­ten gemein­sam feiern, ihre Mannschaften unter­stützen und kul­turelle Gren­zen über­winden kön­nen. Wenn aber ganze Grup­pen von Fans aus­geschlossen wer­den, ver­liert dieses Fest einen Teil seines eigentlichen Sinns.

Ich ver­misse die gle­iche Kon­se­quenz, die gegenüber anderen Staat­en und Sport­lerin­nen und Sportlern einge­fordert wird. Wenn Werte wie Frieden, Fair­ness, Men­schen­rechte und inter­na­tionale Ver­ständi­gung wirk­lich gel­ten sollen, dann dür­fen sie nicht je nach poli­tis­ch­er oder wirtschaftlich­er Inter­essen­lage unter­schiedlich aus­gelegt wer­den.

Sport kann Brück­en bauen. Er kann Men­schen verbinden und Ver­ständi­gung fördern. Doch dazu braucht es Glaub­würdigkeit. Genau diese Glaub­würdigkeit sehe ich bei der FIFA und der Ver­gabe der Fußball-WM 2026 nicht mehr.

Deshalb ziehe ich für mich die Kon­se­quenz: Ich werde die Fußball-WM 2026 nicht ver­fol­gen. Mein Boykott richtet sich nicht gegen die Spielerin­nen und Spiel­er, son­dern gegen die Dop­pel­moral eines Sys­tems, das seine eige­nen Werte zu oft nur dann vertei­digt, wenn es ger­ade poli­tisch oppor­tun erscheint.

Über Pilgerwolf

Pilgert seit 2013 auf dem Jakobsweg und ist von Hamburg bis Metz gekommen. Hat seit 2015 an allen Ökumenischen Pilgerwegen für Klimagerechtigkeit teilgenommen und ist seit 2017 Teil des Planungsteams für die Klimapilgerwege (Pilgerbasis Paris 2015, siehe: www.klimapilgern.de).
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